Kulturpolitik/Aktuelles

Aufruf gegen destruktive Theaterpolitik

Die Theatergemeinde BONN veröffentlicht eine aktuelle Stellungnahme zu den Sparplänen der Stadt Bonn

mehr Informationen und digitale Unterschriftenliste

18. November 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

wahrscheinlich sind viele von Ihnen durch zahlreiche Berichte in der lokalen und überregionalen Presse schon darauf aufmerksam geworden:
Dem Theater Bonn droht ein irreparabler Schaden!
Nach massiven – im deutschsprachigen Theaterraum einmaligen – Kürzungen der städtischen Mittel plant die Stadtverwaltung weitere substanzielle Einsparungen.
Nach dem Regierungsumzug musste das Theater in zwei Stufen 2003 und 2008 mehr als 200 Arbeitsplätze abbauen. Der Etat wurde um 14 Millionen Euro reduziert. 2008 wurde die Tanzsparte geschlossen. Die erfolgreich neu etablierte internationale „Biennale Bonn” fand 2008 zum letzten Mal statt.
Trotz der verringerten Mittel bietet das Theater Bonn in Oper und Schauspiel ein hochwertiges, breit gefächertes Programm mit Repertoire-Klassikern, viel beachteten Ur- und Erstaufführungen und überregional Aufsehen erregenden Wiederentdeckungen insbesondere im Musiktheater.
Alle Altersgruppen und sozialen Schichten, vom Bildungsbürgertum bis zu Migrantenkindern, werden erreicht. Es gibt zahlreiche Angebote zur kulturellen Jugendbildung, Kinderstücke und -konzerte, glanzvolle Opernabende und in die Stadt hineinwirkende, bundesweit diskutierte Theaterprojekte.
2009 konnte das Theater Bonn auf sein 150-jähriges Bestehen in städtischer Trägerschaft zurückblicken, 2010 feiert der Opernchor seinen 75. Geburtstag. Diese Tradition und die gegenwärtigen Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger in Bonn und der weiteren Region werden nun zur Disposition gestellt.
Mit dem Auslaufen des Vertrages des derzeitigen Generalintendanten zum Ende der Spielzeit 2012/13 sieht eine am 10. November 2010 von der Stadt veröffentlichte Liste mit Vorschlägen zur „Haushaltskonsolidierung” weitere Einsparungen von jährlich 3,5 Millionen Euro bis Ende 2015 vor. Diese Summe entspricht ziemlich genau den aktuell jährlich frei verfügbaren Mitteln im künstlerischen Bereich. Ein regulärer Spielbetrieb wäre damit kaum mehr möglich.
Doch damit nicht genug. In einer „Bürgerbefragung” per Internet will die Stadt ab dem 12. Januar 2011 ominöse Alternativen zur Abstimmung stellen: „Schließung der Kammerspiele und/oder vollständige Aufgabe der Sparte Schauspiel”, wobei letzteres angeblich 7 Millionen Euro jährlich einsparen würde. Und/oder „Vollständige Schließung der Oper” mit einem angeblichen Einsparvolumen von jährlich 12. Millionen Euro. Ohne Oper könnte auch das renommierte Beethovenorchester nicht mehr finanziert werden.
Der Skandal dabei ist, dass es die Stadt Bonn für denkbar hält, ihr Schauspiel und ihre Oper gänzlich preiszugeben.
Eine Stadt, in der sich potente Wirtschaftsunternehmen angesiedelt haben. Eine Stadt, deren Einwohnerzahl erfreulicherweise wächst. Eine UN-Stadt mit internationalem Anspruch. Eine Stadt, die den Namen und den Geist Beethovens in die Welt tragen will! Wenn hier ein Kahlschlag passiert, könnte das bundesweit einen Flächenbrand auslösen.
Es darf nicht sein, dass Bonn seine Theater – auch die freien und privaten sind längst durch vorgesehene Zuschusskürzungen ab 2011 in ihrer Existenz gefährdet – in dem von der Verwaltung selbst geschaufelten Millionengrab des Prestigeobjekts „World Conference Center Bonn” versenkt.
Nutzen Sie alle Möglichkeiten, um gegen eine solche Zerstörung einer lebendigen Theaterkultur in Bonn zu protestieren. Schreiben Sie Leserbriefe an die lokalen Medien, schreiben Sie an den Oberbürgermeister und Ihre Stadtverordneten! Unterzeichnen Sie Unterschriftenlisten. Zeigen Sie, dass Sie Theaterschließungen nicht widerstandslos hinnehmen werden!
Darum bittet Sie mit freundlichen Grüßen

Elisabeth Einecke-Klövekorn
Vorsitzende der Theatergemeinde BONN


application/pdf  Aufruf gegen destruktive Theaterpolitik (95,74 kB)
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