Kölner Philharmonie

English Baroque Soloists

Lesung - Händel, Monteverdi, Purcell

Sir John Eliot Gardiner, Dirigent

Lucy Crowe, Sopran


Georg Friedrich Händel (1685 - 1759)
Auszüge aus „Acis and Galatea“ HWV 49

Händels Weg zum englischen Oratorium beginnt in der Zeit seines Aufenthalts im Dienst des späteren Duke of Chandos in Cannons. In diesen opernlosen Jahren entstehen seine ersten Bühnenwerke mit englischem Text, das einteilige „Acis and Galatea“ und die dreiteilige „Esther“. Beide gehören in die Tradition der „Masque“, eine Art Maskenspiel mit Gesang, Tanz und Ausstattung. Bei „Acis and Galatea“ und „Esther“ bleibt es allerdings zunächst bei zwei einzelnen Aufführungen, denn Händel wendet sich nach der Gründung der Royal Academy of Music 1719 mit aller Kraft der Komposition von italienischen Opern zu: 19 Werke entstehen bis 1732. Erst in diesem Jahr erhalten die beiden Cannons-Masques eine besondere Bedeutung dadurch, dass Händel sie für Aufführungen am King's Theatre umarbeitet und somit einen neuen Akzent setzt. Bei Esther erscheint mithin zum ersten Mal in England die Bezeichnung "Oratorio". Händels „Acis und Galatea“ ist eine Pastorale. Sie entspricht den Konventionen der Schäferdichtung in äußerst leichter und beschwingter, gelegentlich ironischer Weise; dazu kommt noch ein Anflug von unverhülltem Pathos und von einer Intensität, die das Werk an bestimmten Stellen in einen insgesamt eher ernsten Ausdrucksbereich erheben. Dies ist vielleicht eines der Geheimnisse ihres Erfolges, denn sie war das dramatischste Werk Händels, das zu seinen Lebzeiten und auch danach am häufigsten aufgeführt wurde. Nicht nur Händel selbst hat es in verschiedenen Versionen aufgeführt (die erste fand im Sommer 1718 statt), sondern es wurde auch von anderen Musikern ohne seine Beteiligung wieder aufgenommen. Die Geschichte wurde dem 13. Buch von Ovids Metamorphosen entnommen handelt vom Schäfer Acis, der der die Meernymphe Galatea liebt.

Claudio Monteverdi (1567-1643)

“Zefiro torna e di soavi accenti” SV 251
für zwei Tenöre und Basso continuo.
Text von Ottavio Rinuccini

Der Komponist Claudio Monteverdi war der bedeutendste Komponist seiner Zeit und schlug mit seiner Musik eine Brücke zwischen der Renaissance und dem Barock. In vielerlei Hinsicht war er ein erster Vertreter der Moderne, denn aus seiner Feder stammen zahlreiche musikalische Revolutionen und im Grunde verdanken wir ihm die Oper, so wie wir sie heute kennen. Mit seinen – auf authentischen und durch und durch menschlichen Erfahrungen gründenden – Werken wie „L’Orfeo“ (Orpheus) und „II ritorno d’Ulisse in patria“ (Die Rückkehr des Odysseus) schuf er für die damalige Zeit unglaublich beliebte Massenunterhaltungen. In etwas kleinerem Rahmen gilt dies ebenso für seine Vertonung von Madrigalen – mehrstimmige weltliche Lieder in komplex ausgearbeitetem Stimmsatz. Auch diese sind reich an Überraschungen, dynamischen Auf- und Abwärtsbewegungen und Momenten von solcher Spontaneität und Natürlichkeit, dass sie uns auch heute noch vollkommen eingängig sind. Ende des 17. Jahrhunderts aber klangen sie geradezu revolutionär neuartig. Am meisten zu bewundern an Monteverdi ist die enorme Vielfalt an Kompositionstechniken, die er meisterhaft beherrscht und ineinander verwebt. Die Modernität zieht sich wie ein roter Faden durch seine Stücke und lässt seine Musik bis ins 21. Jahrhundert zeitlos erscheinen. Sie spricht für sich selbst, wenn man beispielsweise seinen Gebrauch von ostinaten Bässen betrachtet. Zwar „erfand“ der Jazz den „walking bass“ in den 1940er Jahren, wir finden aber schon bei Monteverdi ostinate Bässe, die einzigartig sind und extrem modern anmuten. Monteverdi verwendet einen ostinaten Bass zum ersten Mal im Orfeo 1607. Das Duett „Zefiro torna e di soavi accenti“ ist das erste vokale Duett über dem Ciacconabass der Musikgeschichte, dem viele weitere Nachahmer folgen werden, das aber in der ausdrucksvollen Wortuntermalung unübertroffen bleibt.

Lamento della ninfa SV 163
für Sopran, zwei Tenöre, Bass und Basso continuo.
Text von Ottavio Rinuccini

Wie sehr der ergraute Monteverdi noch immer die „wahre Sonne“ der Affekte zu entfachen vermochte, bewies er den Venezianern nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch in seinen späten Madrigalen. Das „Lamento della ninfa“ publizierte er 1638 in seinem 8. Madrigalbuch, als Musterbeispiel einer Liebesklage im schwingenden Dreiertakt über einem absteigenden Passacaglia-Bass. Das Stück ist als eine Szene für die Bühne konzipiert. Eine Gruppe von Sängern kündet die Ankunft der weinenden Nymphe an, deren Gesang sie danach etwa in Art von Radio- oder Fernsehkommentatoren immer wieder mit einigen Beobachtungen unterbrechen und mit der Bemerkung schließen, dass „es so ist, dass Amor in den Herzen der Liebenden Eis und Feuer vermengt“. Hier hat das Lamento nichts mehr mit dem Stil des dramatischen Rezitativs gemein. Es handelt sich um eine Arie, die wieder von
einem „Basso ostinato“ begleitet wird, der aus einem absteigenden Tetrachord besteht und eigentlich ein Passacaglia-Bass ist. Mit Unterstützung dieses Basses entwickelt sich eine Aria, in der die junge Liebende ihre Verzweiflung besingt. Hier ist nur mehr von einem die Rede, vom Schmerz der Verlassenen, und dafür genügt ein einziger Affekt, wobei die zwanghafte Wiederholung des Passacaglia-Basses dessen Ausdruck endlos betont.

Henry Purcell (1659-1695)
Auszüge aus "Dido and Aeneas" Z 626. Masque in drei Akten.
Libretto von Nahum Tate nach dem fünften Buch von Vergils "Aeneis"

Henry Purcell war der überragende englische Musiker seiner Zeit. Man feierte ihn als „Orpheus Britannicus”, weil er englische Verse so klangschön in Musik setzen konnte, wie das anderen Komponisten nur mit italienischen Texten gelang. Zu seinen Lebzeiten machte sich Purcell vor allem als Bühnenkomponist einen Namen: Neben der als „all-sung masque“ bezeichneten dreiaktigen Oper „Dido and Aeneas“ schuf er fünf so genannte Semi Operas, eine typisch englische Mischform aus Schauspiel und Oper. Die Oper Dido and Aeneas entstand höchstwahrscheinlich im Jahre 1689, im Auftrag eines Pensionats für Edelfräulein in Chelsea. In diesem Jahr dürfte sie auch uraufgeführt worden sein. Das Textbuch lieferte der damals sehr bekannte englische Dichter Nahum Tate. Dido und Aeneas ist nach Gattungskriterien schwer einzuordnen. In ihrem Gesamtkonzept lehnt sich die Oper zwar an Lullys Tragédie-lyrique an, Purcells Arien indes sprechen eine höchst individuell-expressive Sprache, die mit Lullys feierlichem Pathos nichts mehr gemein hat. Gegensätzlichste Gefühle, Leidenschaften und Situationen werden wie in einem Brennspiegel konzentriert. Das Libretto wurde von Nahum Tate nach dem Epos „Aeneis“ von Vergil verfasst und handelt von der Liebesgeschichte zwischen Dido und Aeneas. Der Schauplatz ist Karthago, nach dem Ende des Trojanischen Kriegs.




Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 23.07.2021 21:01 Uhr     © 2021 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn