Opernhaus Bonn

Freitagskonzert 7: Ein deutsches Requiem (Brahms)

Konzert - Beethoven Orchester Bonn

Johannes Brahms
Ein deutsches Requiem op. 45

Chen Reiss, Sopran
Alejandro Marco-Buhrmester, Bariton
Philharmonischer Chor der Stadt Bonn e. V.
Paul Krämer, Einstudierung
Beethoven Orchester Bonn
Michail Jurowski, Dirigent

18:15 Uhr Konzerteinführung auf der Bühne

Johannes Brahms' Ein deutsches Requiem ist eines der der eigenwilligsten Requien der Musikgeschichte. Kompromisslos persönlich. Fernab der Drohgebärden der katholischen Kirche, die mit ihrem Tag des Zorns die Menschen in Schach zu halten versuchte. Fernab der großen Gesten, die die Menge einschüchtern sollten. Ein Werk des Trostes für diejenigen, die zurückbleiben, die leiden und mit diesem Leid weiterleben müssen. Der Tod seiner Mutter brachte Brahms dazu, die Arbeit an dem liegengebliebenen Werk wiederaufzunehmen. „Ihr habt nun Traurigkeit”, heißt es beim Evangelisten Johannes: „Doch ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.” Und Brahms ergänzt mit den Worten des Jesaja: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.”

Trauer: Individuum und Gesellschaft.
In einer Zeit, in der allgemeingültige Moralvorstellungen und Verhaltenscodices von Kirche und Obrigkeit diktiert werden, eine immer kleinere Rolle spielen, wird die Frage nach der Verantwortung des Individuums wichtiger. Die Rituale, die die Kirche über zwei Jahrtausende den Menschen anbot, um mit den Stationen des Lebens umgehen zu können, sind für viele Menschen heute nur noch leere Hüllen: Was bedeutet die Kindstaufe, was die Trauung in weiß in der Kirche? Besonders stellt sich die Frage nach Unterstützung des Individuums in dem Augenblick, wenn der Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten ist. Aufgehoben in der Gemeinschaft des Dorfes, der Großfamilie, trauerte man früher in den festgelegten Abläufen und Formen, die die Kirche anbot. Über dieses Angebot mag man denken, was man will, fest steht jedoch, dass auch die moderne Psychologie die Bedeutung von Ritualen für das Trauern bestätigt. Ob es das Abspielen des gemeinsam geliebten Pop-Songs während der Trauerfeier ist oder die Steine auf dem jüdischen Grab, ob gemeinsames Klagen oder das Verschenken geliebter Gegenstände des / der Verstorbenen. Jedes ritualisierte Tun kann helfen, eine Struktur zu etablieren, die das Individuum in ein großes Ganzes integriert, das ihm hilft zu verarbeiten und weiter zu leben.
Konzerte mit ihren ritualisierten Abläufen können, bei der geeigneten Musikauswahl, ebenfalls diese Verbindung von Individuum und größerem Ganzen schaffen, die einen zukunftsgerichteten Umgang mit Trauer ermöglicht. Ob das eine aufrüttelnde, sinfonische Dichtung von Richard Strauss ist oder ein beruhigendes Gamben-Consort, Mozarts herzzerreißendes d-Moll-Klavierkonzert oder der die Schatten integrierende langsame Satz von Schuberts Streichquintett: All die Werke können in gemeinsamem Erleben individuelle Prozesse von Verarbeitung und der Gewinnung inneren Friedens auslösen. Wir müssen heute unsere Programme daraufhin überprüfen, in wieweit durch liturgische Einordnung große Werke des geistlichen Repertoires eine Kraft bekommen, die die eines Konzertes übersteigt, in wieweit aber auch weltliche Werke eine ähnliche Kraft erhalten können, indem wir sie in einen geistlichen Zusammenhang bringen.

Selig sind, die da Leid tragen,
denn sie sollen getröstet werden.
(Matthäus 5, 4)

Denn alles Fleisch, es ist wie Gras
und alle Herrlichkeit des Menschen
wie des Grases Blumen.
Das Gras ist verdorret
und die Blume abgefallen.

(1. Petrus 1, 24)

Was den Titel angeht, will ich bekennen, dass ich gern auch das „Deutsch“ fortließe und einfach den „Menschen“ setzte …
(Brahms im Brief an Carl Reinthaler, 9. Oktober 1867)

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Die Termine

Fr

15

Apr

Opernhaus Bonn | 15.04.2022 | 19.00 Uhr


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